
- Nicht die Megapixel entscheiden, sondern wie viele Pixel auf einen Meter Bildbreite kommen (Pixel pro Meter).
- Die Norm IEC 62676-4 wurde im Oktober 2025 neu gefasst und kennt jetzt sieben Stufen von 20 bis 1.500 Pixel pro Meter.
- Ein weiter Blickwinkel zeigt mehr Fläche, verteilt die Pixel aber auf mehr Meter. Die Details nehmen schnell ab.
- Für Details an der Haustür hilft oft eine zweite Kamera mit engerem Blickwinkel mehr als eine höhere Auflösung.
Pixel pro Meter statt Megapixel
Eine 4-Megapixel-Kamera hat meist 2.560 Pixel in der Breite. Wie viel davon auf einer Person landet, hängt davon ab, wie breit das Bild in deren Abstand ist. Die Formel:
Bildbreite = 2 × Abstand × tan(Blickwinkel ÷ 2)
Pixel pro Meter = horizontale Auflösung ÷ Bildbreite
Bei 90° Blickwinkel ist das Bild doppelt so breit wie der Abstand. In 5 Metern sind es also 10 Meter Bildbreite, und 2.560 Pixel verteilen sich auf 10 Meter: 256 Pixel pro Meter.
Die Stufen nach IEC 62676-4:2025
Die internationale Norm für Videosicherheitssysteme wurde im Oktober 2025 in zweiter Ausgabe veröffentlicht und ersetzt die Fassung von 2014. Sie ordnet sieben Qualitätsstufen feste Pixeldichten zu:
| Stufe | Pixel pro Meter | Was das praktisch bedeutet |
|---|---|---|
| Überblicken | 20 | Bewegung im Bild: reicht für Bewegungsalarme |
| Umreißen | 40 | – |
| Verfolgen | 80 | – |
| Wahrnehmen | 125 | – |
| Feststellen | 250 | gleiche Pixeldichte wie die frühere Stufe „Identifizieren“ (2014) |
| Ermessen | 500 | bekannte Personen bestätigen; Kennzeichen rekonstruierbar bei wenig Bewegung |
| Begutachten | 1.500 | Kennzeichen klar lesbar |
Deutsche Bezeichnungen wie beim Bundesverband Sicherheitstechnik (BHE). Wichtig: Was nach der alten Norm schon als „Identifizieren“ galt (250 Pixel pro Meter), reicht nach der neuen Fassung nur noch zum „Feststellen“.
Rechenbeispiele
| Kamera | Blickwinkel | 500 px/m bis | 250 px/m bis |
|---|---|---|---|
| 4 MP (2.560 px) | 90° | ca. 2,6 m | ca. 5,1 m |
| 8 MP (3.840 px) | 90° | ca. 3,8 m | ca. 7,7 m |
| 4 MP (2.560 px) | 30° | ca. 9,6 m | ca. 19 m |
Die Tabelle zeigt: Der Blickwinkel wirkt stärker als die Auflösung. Eine Kamera mit engem Objektiv an der Haustür und eine weitwinklige für die Einfahrt ergänzen sich besser als eine einzige hochauflösende Kamera, die alles abdecken soll.
Was die Rechnung nicht berücksichtigt
Die Pixeldichte ist eine Untergrenze unter idealen Bedingungen. Gegenlicht, Dunkelheit, Bewegungsunschärfe, Kompression und ein schräger Blickwinkel von oben kosten zusätzlich Details. Deshalb lohnt es sich, Kamerapositionen vor Ort mit einem Testbild zu prüfen.
Checkliste
- Für jede Kamera festlegen, was sie leisten soll (Bewegung, Person, Gesicht, Kennzeichen)
- Abstand zum wichtigsten Punkt messen
- Pixeldichte für diesen Abstand ausrechnen
- Bei Bedarf engeren Blickwinkel statt mehr Megapixel wählen
- Nachtsicht und Gegenlicht vor Ort testen
Häufige Fragen
Reichen 4 Megapixel für ein Einfamilienhaus?+
Für Übersicht und Bewegungserkennung meistens ja. Für Gesichter an der Haustür kommt es auf Abstand und Blickwinkel an. Rechnen Sie mit der Formel oben oder probieren Sie den Kamera-Planer auf unserer Seite zur Videoüberwachung aus.
Gilt die neue Norm für bestehende Anlagen?+
Normen beschreben den Stand der Technik. Bestehende Anlagen müssen nicht automatisch umgebaut werden; bei Erweiterung oder Neuplanung lohnt es sich aber, mit den neuen Stufen zu rechnen.
Quellen
- Axis Communications: IEC 62676-4:2025: Stufen und Pixeldichten
- BHE Bundesverband Sicherheitstechnik: Pixeldichte & Qualitätsstufen
- CCTV Wiki: IEC 62676-4: Beschreibung der Stufen Überblicken, Ermessen, Begutachten
Stand 1. Oktober 2026. Allgemeine Information, keine Rechts-, Steuer- oder Fördermittelberatung. Angaben ohne Gewähr; maßgeblich sind die verlinkten Quellen in ihrer jeweils aktuellen Fassung.

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